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NEUES AUS DEM STADTTHEATER INGOLSTADT
Probebühne

Farbtheater – Folge 1: Gustav Klimt und »Das Theater von Taormina«

In unserer neuen Blogpost-Reihe »Farbtheater« durchstöbern wir nach Lust und Laune (also ohne jegliche Chronologie oder Anspruch auf Vollständigkeit) die Kunstgeschichte auf der Suche nach Darstellungen von THEATER. Den Anfang macht ein Gemälde von Gustav Klimt mit dem Titel »Das Theater von Taormina«.

Der österreichische Maler Gustav Klimt lebte zwischen 1862 und 1918 und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Wiener Jugendstils. Charakteristisch für viele seiner Werke ist der Einsatz von Goldfarbe. Sein berühmtestes Gemälde ist »Der Kuss« (ursprünglicher Titel: Das Liebespaar). Zu dessen anhaltender Bekanntheit dürfte neben der kunstgeschichtlichen Bedeutung die umfangreiche Merchandising-Verwertung nicht unwesentlich beigetragen haben, für die sich die goldbronzenen Werke offenbar bestens eignen. Tassen, Stifte, T-Shirts – in Wien und besonders um das Ausstellungshaus der Wiener Secession herum (der Künstlervereinigung, die Klimt mitbegründet hatte), wimmelt es in den Souvenirshops nur so von derlei Devotionalien. Ob Klimt das gewollt hätte, ist eine andere Frage.

Vom Mittelmeer…

Sein »Das Theater von Taormina« zeigt einen real existierenden Ort, den der Maler auch selbst besucht hat: In Taormina auf Sizilien stehen bis heute die Überreste eines antiken Theaters. Diese sehen natürlich nicht mehr so aus, wie Klimt sie in seinem Gemälde in arkadischen Fantasien wiederauferstehen ließ, sondern sie sind deutlich gezeichnet vom Zahn der Zeit.

Theater Taormina

…nach Österreich

Bei der Darstellung von Klimts Bild fällt eine leichte Biegung auf (keine Sorge, Ihr Handydisplay ist in Ordnung…). Das liegt daran, dass es kein Ölbild auf Leinwand ist, sondern ein Deckengemälden. Und wo könnte ein solches Motiv besser aufgehoben sein als in einem Theater?! Eben. Es ist das Hauptbild der Decke im nördlichen Stiegenhaus des Wiener Burgtheaters. Dekorationskunst war damals sehr gefragt, da in den 1880er Jahren die Wiener Ringstraße mit ihren zahlreichen Kunst- und Kulturbauten entstand. Das neue Burgtheater wurde von Gottfried Semper ( ja, der Semper von der Dresdner Oper) entworfen und von Karl von Hasenauer fertig gestellt.

Klimt stellt in seinem Gemälde die wesentlichen architektonischen Züge des Bauwerks historisch recht akkurat dar: Im unteren Teil sind Platten oder Steine zu sehen, wie sie von den Römern auf die ursprünglichen griechischen Fundamente (daher wird auf Italienisch auch »Teatro greco« genannt) gebaut wurden. Im oberen Teil des Gemäldes dominieren die Säulen mit ihren Korinthischen Kapitellen. Bevölkert wird die Szenerie von Tränzerinnen und Musikerinnen, die an die typische Darstellung von Musen, den antiken Kunst-»Schutzheiligen«, angelehnt sind.

Auf den Zuschauerliegen und im Hintergrund sind Männer in römischer Toga zu sehen. Frauen sucht man unter Klimts Theaterpublikum hingegen vergeblich. In der griechischen Tradition durften sie das Theater zwar besuchen, allerdings mussten sie auf den hinteren bzw. obersten Rängen Platz nehmen. Auf die Bühne kamen sie nicht – Schauspielerei war eine rein männliche Branche. In Rom ging es auf der Tribüne da lockerer zu: Im Gegensatz zu Griechenland durften hier sogar Sklaven dem Schauspiel zuschauen und Frauen saßen bei den Männern. Das änderte sich erst mit Kaiser Augustus, der die Frauen nach griechischem Vorbild nach hinten verbannte.

Von der Deckenkunst Klimts war Kaiser Franz Joseph so begeistert, dass er ihn und zwei Künstlerkollegen auch das Treppenhaus des neuen Kunsthistorischen Museums gestalten ließ. Das goldene Verdienstkreuz gab es von Durchlaucht für den Jugendstil-Maler dann noch obendrauf.

(Bildrechte: gemeinfrei)