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Neues aus dem Stadttheater Ingolstadt
Digitales Programmheft

WHO IS WHO: GEORG BÜCHNER

Georg Büchner. Ein echter Revoluzzer! Als Schriftsteller seiner Epoche weit voraus, deutet er schon den Naturalismus, den Expressionismus und das absurde Theater an.  Als politischer Kämpfer formuliert er – lange vor seinen Zeitgenossen – die revolutionären Forderungen des Vormärz.

Büchner wird am 17. Oktober 1813 im hessischen Goddelau geboren. Es ist der zweite Tag der Völkerschlacht bei Leipzig, bei der eine Allianz der europäischen Großmächte den Sieg über Napoleon feiert. Mit dem Ende der napoleonischen Herrschaft beginnt die Zeit der Restauration: Adelsherrschaft, Karlsbader Beschlüsse, Zensur, Polzeidespotismus, Bürokratenwillkür, Verfolgung von unbequemen Demokraten. Büchner stirbt bereits 1837 mit 23 Jahren an Typhus und erlebt die Revolution von 1848 nicht mehr mit. Als radikaler Republikaner hätte er bestimmt an vorderster Front mitgekämpft!

1831 beginnt Büchner ein Medizinstudium in Straßburg. In Frankreich erlebt er eine Gesellschaft, die nach der Julirevolution von 1830 offener und freier ist als das großherzogliche-hessische Fürstentum, aus dem er stammt. Gegen die feudalen Verhältnisse in seiner Heimat schreibt er in der Flugschrift Der Hessische Landbote an und ruft die unterdrückte Bevölkerung zu einer Erhebung auf:

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Im Jahr 1834 sieht es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am 5ten Tage, und die Fürsten und Vornehmen am 6ten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriecht, und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt. Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und lässt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.

Die Obrigkeit reagiert umgehend und lässt den Verfasser steckbrieflich nutzen. Büchner flieht umgehend nach Straßburg.

Ansonsten bleibt Büchners Werk zu Beginn des 19. Jahrhunderts unbeachtet. Später wird er aber ein strahlendes ein Vorbild für andere Revoluzzer. Gerhart Hauptmann bringt als erster die Not der Arbeiterklasse auf die Theaterbühne. Der Naturalist feiert Büchner als modernen Dramatiker und macht ihn damit bekannt. Rudi Dutschke, Anführer der westberliner Studentenrevolte 1968, schreibt in Gedenken an den Hessischen Landboten:

 ›Friede den Hütten, Krieg den Palästen!‹, wer von uns Anfängern der ersten APO-Generation wusste damit nichts anzufangen?!