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»WE DON'T NEED NO EDUCATION« - Junger Futurologischer Kongress & 40. Schultheaterfestival
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Klugscheisserwissen für die Theaterpause – Folge 2: »SO ODER SO« – Hildegard Knef

Hilde und die Sache mit den Namen

Die Künstlerin Hildegard Knef wurde 1925 als Hildegard Frieda Albertine Knef in Ulm geboren. Den Zweitnamen »Frieda« bekam sie nach der Mutter Frieda Auguste Knef (geb. Groehn), den Drittnahmen »Albertine« nach der Großmutter Albertine Groehn.
In ihrer Autobiografie »Der geschenkte Gaul« nennt sie sich durchgehend, aber fälschlicherweise Albertina – ob aus Versehen oder ob ihr der Name besser gefiel, ist unklar. Freunde und Familienangehörige nannten sie ihr Leben lang nur »Hilde« oder »Hildchen«. In der Schauspielschule wurde sie manchmal Martina Albertina Wulf genannt – abgeleitet von Wulfestieg, dem Namen ihres Stiefvaters, weil man Knef nicht schön genug für den Film und vor allem die Plakate fand. Als Knef 1948 von dem Produzenten David O. Selznick einen Siebenjahresvertrag in Hollywood angeboten bekam und in die USA umsiedelte, schlug ihr Selzicks Filmstudio eine Namensänderung vor und favorisierte den Künstlernamen »Gilda Christian«. Knef wollte ihren Namen jedoch behalten, weil sie die Meinung war, dass man nur »einen Namen berühmt machen kann, nicht zwei«. Schließlich einigten sich das Studio und die Künstlerin auf Hildegarde Neff. Knef machte daraus die Legende, dass die Amerikaner die Verbindung »kn« als »n« aussprechen – wie z.B. in »know« – und deswegen war die Namensänderung gegeben. In Wirklichkeit befürchtete das Studio, dass eine Schauspielerin mit einem deutschen Namen in Amerika der Nachkriegszeit nur schwer zu vermarkten wäre.
Im Privatleben lehnte Knef die Änderung ihres Namens keineswegs ab. Sie nahm stets den Namen ihres jeweiligen Ehemannes an, so hieß sie von 1947 bis 1953 Hirsch, von 1962 bis 1976 Palastanga-Knef und von 1977 bis zu ihrem Tod im Jahre 2002 von Schell-Knef.

 

Victoria Voss als Knef (Foto: Olah)
Victoria Voss als Hildegard Knef (Foto: Olah)

Hilde und die Sache mit den Männern

Hildegard Knefs erster Ehemann Kurt Hirsch war ein US-amerikanischer Filmoffizier, der unter anderem für die Erteilung der Auftrittsgenehmigungen in der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland zuständig war. Durch die Beziehung mit Hirsch konnte sie sowohl in dem amerikanischen Sektor, als auch in dem sowjetischen Sektor als Film- und Theaterschauspielerin arbeiten. Aber nicht nur diesen Vorteil brachte die Ehe mit sich: Als Deutsche hätte Knef in Hollywood nie einen Vertrag mit einem Filmstudio unterschreiben können, als Ehefrau eines US-Amerikaner und als Anwärterin der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft schon. Hirsch wurde auch ihr Agent, aber nachdem die großen Filmrollen ausblieben, ließ sich Knef von ihm scheiden.
Ihr zweiter Ehemann David Cameron – eig. David Antonio Palastanga – hatte nach der Eheschließung seine Karriere als Schauspieler, Regisseur und Journalist an den Nagel gehängt, um sich fortan nur noch um die Karriere von Knef zu kümmern.
Aber auch diese Ehe scheiterte und die Künstlerin heiratete 1977 den aus einem alten österreichisch-ungarischen Adelsgeschlecht stammenden Paul Rudolf Freiherr von Schell zu Bauschlott. Er war der Mann, von dem alle Frauen träumten: Gut erzogen, elegant und immer für die Partnerin an seiner Seite da. Er konnte kochen, waschen, bügeln – und vieles mehr. Knef lebte mit ihm bis zu ihrem Tod. Aber wer denkt, dass das alles an Knefs Männerbekanntschaften war, der täuscht sich. Die Künstlerin  hatte zahlreiche Affären und Liaisons, bevorzugt mit verheirateten Männern, darunter der Architekt Manfred Ewald, der Journalist Henri Nannen, der Tobis-Filmchef Ewald von Demandowsky, die Regisseure Arthur Maria Rabenalt, Willi Forst und Anatol Litvak sowie die Schauspieler Tyrone Powe, Gregory Peck und Laurence Harvey. Auch David Cameron war noch verheiratet, als er mit Knef eine Beziehung einging.

 

Hilde und die Sache mit den Krankheiten

Der Name »Hildegard« hat seinen Ursprung im Althochdeutsch und bedeutet »die Beschützerin, die Kämpferin«. Und ja, Hildegard Knef war eine wahre Kämpferin, nicht nur was ihre Karriere und ihr privates Glück anbelangt: Das, dass die Künstlerin überhaupt ihren 77. Lebensjahr erlebte, grenzt beinahe an einem Wunder. Ihr gesamtes Leben wurde von Krankheiten und Operationen geprägt. Es begann bereits im Kindheitsalter, als sie an Kinderlähmung erkrankte. Es folgten Kiefer- und Nasenoperationen – angeblich wurde sie von ihrer Mutter mal so heftig verprügelt, dass ihr Nasenbein brach. Sie musste mit 29 eine Blinddarmoperation, mit 32 eine weitere Nasenoperation, mit 43 einen Kaiserschnitt, mit 47 eine Darmoperation und die Amputation der linken Brust wegen eines Karzinoms, mit 54 eine Gallenoperation und mit 59 eine weitere Darmoperation an sich ergehen lassen. Nach ihrer eigenen Aussage wurde sie mindestens 56 mal operiert, darunter waren aber auch mehrere Schönheitsoperationen. Währen ihrer zweijährigen  Broadway-Aufführungsperiode litt sie an Masern, an Grippe, verlor auf der Bühne mehrmals das Bewusstsein. In den 60er Jahren erkrankte sie an einer Hirnhautentzündung. Bei ihren Live-Auftritten ab den 70ern erlitt sie des Öfteren einen Kreislaufkollaps.
Bei der Geburt von ihrer Tochter Christina kämpfte sie um ihr Leben: Uterus- und Magen-Darm-Atonie, Versagen der Blutgerinnung, multiple Organversagen und schließlich Kreislaufkollaps. Nach ihrer Krebsoperation bekam sie Methadon-Injektionen und wurde von dem Opioid abhängig. Ab den 80er Jahren hatte sie sowohl ein Drogen- als auch ein Alkoholproblem. 1993 macht sie einen Entzug. Als starke Raucherin litt sie ab den 90er Jahren an Lungenemphysem. Schließlich starb sie an einer Lungenentzündung.

 

Hilde und die Sache mit den Staatsbürgerschaften

Hildegard Knef wurde als deutsche Staatsbürgerin geboren und ist als solche auch gestorben. Zwischendurch änderte sich jedoch ihre Staatsangehörigkeit dreimal. Im Zuge der Heirat mit Kurt Hirsch verlor sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft und bekam 1950 – obwohl sie noch nicht fünf Jahre in den USA lebte – die amerikanische Staatsbürgerschaft. Diese legte sie 1962, als sie David Cameron heiratete, ab und nahm die britische Staatszugehörigkeit an. Als Gerhard Schröder im Januar 2001 ihr nachträglich zum Geburtstag gratulierte, äußerte sie den Wunsch, wieder deutsche Staatsbürgerin werden zu wollen. Der Bundeskanzler kontaktierte den Innenminister Otto Schilly und schon im Sommer erhielt Knef die ersehnte Einbürgerungsurkunde.