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NEUES AUS DEM STADTTHEATER INGOLSTADT
Digitales Programmheft

Klugscheisserwissen für die Theaterpause – Folge 3: »Frau Luna«

Geistreich ist man leider selten spontan – Daher hier das Wichtigste, damit Sie eloquent parlieren können, wenn die Mondelfen gerade nicht auf der Bühne tanzen.

Faszination Mond

Seit es uns  Menschen gibt, sind wir fasziniert vom Mond. Der Trabant weckt in uns Träume, Sehnsüchte und Phantasien. Das literarische Vorbild für alle späteren Mondreisenden lieferte Jules Verne 1865 mit seinem Roman »Von der Erde zum Mond«. Jacques Offenbach machte daraus 1875 die phantastische Operette »Die Reise zum Mond«. Von diesen Stoffen und der allgemeinen Ballonfahrtbegeisterung seiner Zeit ließ sich Paul Lincke für »Frau Luna« inspirieren.

»Berliner Luft« – Berlins heimliche Hymne

Wer kennt nicht den heiter-schrägen Ohrwurm »Das macht die Berliner Luft« aus »Frau Luna«?! Ursprünglich schrieb Lincke das Lied aber gar nicht für diese Operette. Es entstand erst 1904 für die Operette »Berliner Luft« – passender Weise. Den Berliner-Luft-Marsch verwendete der Komponist dann 1922 in der Neufassung von »Frau Luna«. Noch heute gilt das Lied als die heimliche Hymne der Hauptstadt. Regelmäßig spielen die Berliner Philharmoniker den Gassenhauer als Abschluss ihrer Waldbühnen-Konzerte.

Eine Großstadt bekommt ihre Operette

Mit »Frau Luna« erfand Paul Lincke die Berliner Operette. Der Komponist war für die pulsierende Metropole das, was Johann Strauss für Wien und Jacques Offenbach für Paris waren. Was zeichnet Linckes Operetten aus? Die Figuren stammen aus einem kleinbürgerlichen Milieu und ihre Geschichten drehen sich um normale Alltagsprobleme. Wie es sich für richtige Hauptstädter gehört, »berlinern« sie so richtig. Musikalisch bieten die Operetten eine gelungene Mischung aus Marsch- und Walzerrhythmen. Der Gesangsmarsch ist jedoch kein zackiger preußischer Militärmarsch, sondern eher ein gemütlicher Spaziermarsch.

Der Hitproduzent

Paul Lincke wusste, wie man Hits komponiert. Seine eingängigen Lieder waren damals populäre Schlager, die jeder kannte und nach drei Takten mitsingen konnte. Den größten Erfolg feierte er aber nicht, wie man vermuten könnte, mit der »Berliner Luft«, sondern mit dem »Glühwürmchen-Idyll«. Der Song gehörte zur 1902 uraufgeführten Operette »Lysistrata« und erreichte dann in den US-Charts die Spitze. Kein Wunder, dass auch dieses Lied später in der Neufassung von »Frau Luna« einen Platz fand. Linckes »Masche« Hits zu produzieren und sie zu verkaufen, hatten einen großen Einfluss auf die spätere Entwicklung der Unterhaltungsmusik. Welche heutige Musiklegende bringt nicht irgendwann nur noch »Best-of«- und »Greatest Hits«-Alben heraus?

Apollo-Theater Berlin

Das Apollo-Theater

Die erfolgreichsten Werke von Paul Lincke entstanden in seinen Jahren am Berliner Apollo-Theater. Das »Spezialitätentheater« mit über 1.400 Plätzen befand sich damals in der Friedrichstraße 218, wo man heute den U-Bahnhof Kochstraße und den Checkpoint Charlie findet. Das Theater selbst wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute erinnert nur eine Gedenktafel daran, dass am 1. Mai 1899 »Frau Luna« dort uraufgeführt wurde. Insgesamt gab es 600 Aufführungen der Operette im Apollo-Theater. Es war der größte Erfolg des Komponisten.