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NEUES AUS DEM STADTTHEATER INGOLSTADT
Digitales Programmheft

Klugscheißerwissen für die Theaterpause – Folge 1: »Leonce und Lena«

Sie wollen Ihren Sitznachbar so richtig beeindrucken? Es gibt einen speziellen Jemand, den Sie beim Glas Sekt in der Pause bezirzen wollen? Dann haben wir hier genau das Richtige für Sie – Die fünf wichtigsten Angeber-Anekdoten zu Georg Büchners »Leonce und Lena«:

  • Die Komik von Büchners Lustspiel

Die Komik in »Leonce und Lena« liegt in der Groteske. Das dekadente und sinnfreie Herrschaftssystem des Absolutismus wird ab absurdum geführt. Die Figuren sind orientierungslos und schwermutig. Vor allem Prinz Leonce leidet unter dem langweiligen Trott des Adels. Auch der Ausbruch ins ersehnte Italien kann ihn nicht davon erlösen. Büchners Witz zeugt von einem »Weltschmerz«, der die »Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit« des menschlichen Daseins beklagt. Damit enthält das Lustspiel schon wesentliche Elemente des absurden Theaters von Beckett und Ionesco.

  • Parodie der romantischen Komödie

Büchner orientierte sich beim Schreiben seines Lustspiels an der Komödie der deutschen Romantik. In dem Stück gibt es Hinweise auf Brentanos »Ponce de Leon«, Tiecks »Prinz Zerbino oder die Reise nach dem guten Geschmack« und Eichendorffs »Die Freier«. Hinter der romantischen und märchenhaften Handlung verbirgt sich bei Büchner aber eine groteske Karikatur des romantischen Lustspiels. Der Vormärz Dichter lehnte generell den Idealismus der »Kunstepoche« ab, der besonders von Schiller und den Autoren der Romantik  vertreten wurde.

  • Entspannung nach der Doktorarbeit

Büchner war nicht nur ein literarisches Genie. Er war auch Wissenschaftler und Mediziner. Seine Doktorarbeit mit dem Titel »Über das Nervensystem der Barbe« vollendete er 1836. Nach solch einem ernsten Thema muss man erstmal abschalten. Daher schrieb Büchner zur Entspannung anschließend sein Lustspiel. Eine Komödie über Faulheit, Liebe und Langeweile ist wohl die beste Ablenkung. Prokrastination deluxe!

  • Nieder mit der Ständeklausel

Jahrhunderte lang galt im europäischen Theater die Ständeklausel. Danach ging es in Tragödien um große Fragen und große Schicksale. Die konnten natürlich nur Fürsten, Helden und Götter für sich beanspruchen. Die Komödie behandelte dagegen nur leichte private Geschichten, mit denen sich niedere Menschen (Bauern, Kleinbürger, Narren) tagtäglich herumärgerten. Büchner durchbricht in seinem Lustspiel »Leonce und Lena« dieses Prinzip. Er zeigt mit dem vertrottelten König Peter aus dem Reich Popo und der Prinzessin Lena aus dem Reich Pipi eine Satire über die damaligen absolutistischen Herrscher.

  • Literaturwettbewerb

Das Stück war ursprünglich ein Beitrag für ein Preisausschreiben des Cotta-Verlags, bei dem das Siegerstück 300 Gulden erhielt. Bis zum Abgabetermin am 1. Juli 1836 hatte Büchner vier Wochen Zeit für das Verfassen von »Leonce und Lena«. Er wurde nicht rechtzeitig fertig und gab das Stück zwei Tage zu spät ab. Die Sendung erhielt Büchner wenig später ungeöffnet zurück. Als Preisträger unter den insgesamt 60 Einsendungen wurde das Autorenduo Wolfgang Adolf Gerle und Uffo Horn mit ihrem Stück »Die Vormundschaft« gekürt. Nach dieser Panne bearbeitete Büchner »Leonce und Lena« noch weiter. Tja, Büchners Lustspiel wird bist heute gespielt, während die Preisträger des Wettbewerbs in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Wer zuletzt lacht…