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NEUES AUS DEM STADTTHEATER INGOLSTADT
Phantasie an die Macht!

Ingolstadt 1968 ff

Phantastische Gespräche – Episode 1

Was war los 1968 in der kleinen Stadt in der bayerischen Provinz? Es herrscht eine Aufbruchstimmung. Eine Stadt von ca. 70.000 Einwohnern baut ein Theater, das bundesweit Aufsehen erregt. Einer der renommiertesten Architekten der Zeit, Hardt Walther Hämer, erhält den Zuschlag. Das Theater vertritt Deutschland bei der Expo in Montreal. Vorausgegangen waren heftige Debatten im Stadtrat über die Finanzierung. Letztendlich beschloss der Stadtrat nicht nur den Bau zu wagen, sondern sogar ein eigenes Ensemble aufzubauen: Werkstätten mussten angebaut werden, der Kunstverein wurde integriert und ein Konzertsaal geplant. Es war und ist bis heute ein mutiger, in die Zukunft weisender Schritt.

Revolution im Theater?!

Und gleich gab es Aufregung: Der Intendant wollte das Antitheater aus München einladen, der Oberbürgermeister (SPD) hat’s verboten (»Kein Theater lädt andere Theater ein!“), Rock- und Popkonzerte wurden vom Rat beanstandet. Man regte sich auf über ein angeblich grosses „love-in“ in den Räumen des Theaters. Farbaktionen auf dem Theatervorplatz: Die Polizei griff ein,  die in erster Linie beteiligten Schüler mussten den Vorplatz sauber schrubben. Der Theaterplatz wurde für Jugendliche unter 18 Jahren gesperrt! Erst unter Oberbürgermeister Schnell (CSU) und dem neu gewählten Stadtrat entspannte sich die Situation 1972/73.

Der Kunstverein war treibende Kraft in der Stadt. Karl Hubbuch, David Hockney und Marc Chagall wurden in Ingolstadt gezeigt. Die kulturpolitschen Auseinandersetzungen sorgten für bundesweite Aufmerksamkeit. Die »hoffende Nonne“ von Walter Tafelmeier war eine Skandal. Happenings auf Strassen und Plätzen, Schülerdemos (»Die grössten Feinde der Freiheit sind die glücklichen Sklaven«) und Konzerte etwa von Amon Düül II und Black Mass waren immer ausverkauft. Und der Donaukurier mit seinem Herausgeber Dr. Reismüller spielte in dieser Gemengelage eine entscheidende Rolle.

Im ersten »Phantastischen Gespräch« wollen wir diese Zeit bei einem Glas Wein mit Zeitzeugen revue passieren lassen: mit dabei: Alt-Oberbürgermeister Peter Schnell (CSU) und Dr. Manfred Schumann (SPD).

Mittwoch, 05. Dezember, 20:00 Uhr, Büro der Intendanz
Karten an der Theaterkasse

 

(Bildrechte: Theateransicht – gemeinfrei; sonstige: privat)