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NEUES AUS DEM STADTTHEATER INGOLSTADT
Probebühne

Mehr als Schall und Rauch? Künstler und ihre Namen

Schon mal von Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen gehört? Wahrscheinlich nicht. Von Hans Fallada? Vielleicht schon eher. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um ein und diesselbe Person. Wenn es um Künstlernamen geht, dann stimmt Goethes Diktum, dass Namen Schall und Rauch seien, offenbar nicht…

Sprechend?! Namen und Getier

Für das Pseudonym von Fallada standen zwei Märchen Pate: Einmal der titelgebende Held aus »Hans im Glück« und zum anderen das sprechende Pferd Fallada aus dem ebensfalls Grimm’schen Märchen »Die Gänsemagd«. Das Ross ist eine derartige Quasselstrippe, dass sein Kopf sogar weiterspricht, nachdem er vom Körper abgeschlagen wurde. Bisschen gruselig. Im Märchen ist das aber ganz praktisch, weil so die Wahrheit über eine hinterhältige Verwechslungsgeschichte ans Tageslicht kommt.

Fallada ist nur ein Beispiel für eine Vielzahl von Pseudonymen in der Literaturgeschichte:
Der Dichter Novalis beispielsweise hieß mit bürgerlichem Namen Georg Philipp Friedrich von Hardenberg und entstammte einem norddeutschen Adelsgeschlecht. Um das Verschweigen der adeligen Herkunft ging es Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil  vermutlich weniger, als darum ihr Geschlecht zu verschleiern. Die französische Schriftstellerin wurde 1804 geboren und Frauen in der schreibenden Zunft waren damals alles andere als alltäglich. Unter dem männlichen Namen George Sand fiel ihr das deutlich leichter. Sie ging dabei sogar soweit – für damalige Zeiten ein Skandal – Männerkleidung zu tragen und von sich selbst in der maskulinen Form zu sprechen. Ihr französischer Landsmann Marie-Henri Beyle benannte sich nach einer deutschen Stadt: Stendhal. Angeblich fand er aber gar nicht den sachsen-anhalthinischen Ort so toll, sondern verehrte einen Sohn dieser Stadt so sehr, dass er ihm damit huldigen wollte, nämlich den Kunsthistoriker und Archäologen Johann Joachim Winckelmann.

Die Zeiten ändern sich – die Namen auch

Pseudonyme waren aber nicht nur in der Zeit der Frühromantik, in der Novalis sein Werk schuf, beliebt, sondern auch gut hundert Jahre später, als der Poet Joachim Ringelnatz seine Gedichte schrieb. In seiner Geburtsurkunde stand hingegen Hans Gustav Bötticher. George Orwell, der für Romane wie »1984« und »Animal Farm« berühmt ist (beides auch immer wieder beliebte Bühnenstücke für Kinder- und Jugendtheater), wurde nicht als George, sondern als Eric Arthur Blair geboren. Italo Svevo, einer der führenden Romanautoren Italiens, entschied sich für einen sprechenden Namen: Übersetzt bedeutet dieses Pseudonym »italienische Schwalbe«. Das klingt etwas charmanter als Aron Hector Schmitz, wie Svevo eigentlich hieß. Autobiographisch wählte der Autor des Jugendbuchklassikers »Tom Sawyer« seinen Namen aus: Mark Twain hieß eigentlich Samuel Langhorne Clemens. Der Künstlername steht für Twains Lebensabschnitt als Steuermann. Er arbeitete als Flussschiffer auf dem Mississippi. In der Nautik steht der Ausdruck für eine gemessene Wassertiefe von zwei Faden (das sind etwas über dreieinhalb Meter). Eine tiefgründige Wahl sozusagen.

Bild: Wer bin ich und wer bin ich nicht? Darauf gibt ein Spiegelbild nicht immer eine klare Antwort. Dem mythischen Narziss, den Sohn eines Flussgottes, wurde die Verliebtheit ins eigene Spiegelbild zum Verhängnis… (gemalt von Johann Heinrich Tischbein der Ältere: Narzissus (1770) – gemeinfrei)